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(Tödliche) Polizeigewalt gegen Menschen in psychischen Ausnahmesituationen

„Seit 1976 wurden in Deutschland 531 tödliche Polizeischüsse gezählt – in fast einem Viertel der Fälle gab es Hinweise auf eine psychische Ausnahmesituation des Opfers.“

Immer wieder werden Menschen in psychischen Ausnahmesituationen von der Polizei getötet. Im medialen und gesellschaftlichen Diskurs wird das häufig als „alternativlos“ dargestellt und als wäre es unvermeidbar, dass die Polizei Menschen tötet. Es ist also alternativlos, dass Menschen in psychischen Ausnahmesituationen, die in diesem Moment panisch  und verzweifelt sind, von Cops, die in der Mehrzahl sind und Sicherheitskleidung tragen, erschossen werden?
Natürlich nicht! Die Debatte sollte sich um die Fragen drehen wie man Menschen in solchen Situationen nachhaltig helfen kann, wie die Versorgung von Menschen mit psychischen Krankheiten verbessert werden kann und welche Rolle dabei Gesellschaft und strukturelle Bedingungen spielen. 
Stattdessen geht es um die Rechtfertigung des Mordes durch klassistische und rassistische Narrative sowie Stigmatisierung von Menschen mit (chronischen) psychischen Ekrankungen. Statt über die strukturelle Unterversorgung zu sprechen, wird ein Register psychisch Erkankter gefordert. 

In Arbeitskontexten der Sozialen Arbeit, im öffentlichen Raum oder bei Freizeitaktivitäten:Viele von uns fanden sich schon in Situationen wieder, in der eine Person in einer psychischen Ausnahmesituation eine Gefahr für sich oder andere darstellte und wir die Person mit unseren Mitteln und Gesprächsangeboten nicht mehr erreichen konnten. Was bleibt?
Die Polizei rufen. Mit dem Gedanken, dass das für die Person, die aufgrund der psychischen Ausnahmesituation gerade nur begrenzt Kontrolle über ihre Lage und ihr Verhalten hat, tödlich ausgehen kann. Und auch wenn es nicht tödlich ausgeht, geht es meist gewalttätig und traumatisierend zu. Es kommen martialisch und aggressiv auftretende uniformierte Beamte, was die Situation nur weiter eskalieren kann. Zusätzlich sind diese meist völlig überfordert und ohne jegliches Fachwissen für solche Situationen. Deshalb schießen sie.

Das muss nicht so sein. Es könnte multiprofessionelle Teams geben, die so ausgestattet sind, dass sie in akuten Krisensituation gerufen werden können,Selbstschutz sicherstellen können und so agieren, dass die Situation für alle Beteiligten gut und (möglichst) gewaltfrei ausgeht. Sicherlich gibt es noch viele weitere Alternativen, die möglich wären. Es ist eine Wahl in welche Bereiche Geld, Ressourcen und Zeit investiert wird: in Konzepte und Aufbau von deeskalierenden Krisenteams oder in Polizei & Aufrüstung. Im kapitalistischen System steht der Schutz des Kapitals natürlich an oberster Stelle. Es ist also auch eine Wahl es zu all den Morden durch die Polizei kommen zu lassen. 

Und so wird auch nicht über wirkliche Prävention gesprochen, sondern über Register, in denen psychische Erkrankte aufgelistet werden. In vielen Fällen wird Personen, die  Hilfe und Unterstützung brauchen, diese aufgrund von fehlenden Kapazitäten, Profitorientierung oder klassistischen, rassistischen und sexistischen Ausschlüssen verwehrt. Die Situation dieser Personen prekarisiert sich immer weiter und spitzt sich letztendlich zu, sodass sie in psychischen Ausnahmesituationen landen und schließlich durch die staatlich legitimierte Gewalt der Polizei ermordet werden. Ein Großteil von psychischen Ausnahmesituationen, in denen eine Gefahr für andere Menschen besteht, wäre durch ausreichend und vielfältige Unterstützungssysteme, die für alle Menschen zugänglich sind, verhinderbar.

(Tödliche) Polizeigewalt gegen Menschen in psychischen Ausnahmesituationen ist vermeidbar. Wir brauchen eine flächendeckende Gesundheitsversorgung für alle Menschen und die Abschaffung eines Systems, das krank macht. 

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