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General Sozialkampf

Rechte Politik heißt Armut für Alle!

Rechte Politik heißt Armut für alle
Steigende Kosten bei Lebensmitteln, Strom, Gas und Dienstleistungen. Stuttgart ist neben Frankfurt und Hamburg ein trauriger Spitzenreiter unter den deutschen Städten, was die Zahl der Wohnungslosen betrifft. Während immer mehr Menschen von Armut betroffen sind und nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen, Angst um ihren Wohnraum haben müssen oder diesen sogar verlieren, drischt rechte Sozialpolitik weiter auf Arme ein und verwöhnt die Reichen. 
Während wir durch unterschiedliche Akteure in verschiedenen Bereichen einen Rechtsruck erleben, versuchen die etablierten Parteien der gesellschaftlichen Stimmung zu begegnen, indem sie ebenfalls auf rechte Antworten setzen und die rechte Welle mitreiten. 
So überrascht es nicht, dass genau diejenigen Politiker*innen gegen Bürgergeld hetzen, die auch sonst mit rechten Äußerungen auffallen, wie Merz, Palmer und Co. Dabei werden Unwahrheiten verbreitet und Rechnungen aufgestellt, die nichts mit der Realität zu tun haben. Es ist kein Zufall, dass aktuell gegen Bürgergeldbezieher*innen gehetzt wird: Ziel ist es, ganz bewusst Sozialneid zu konstruieren und so einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen. Damit soll verhindert werden, dass sie sich vereinigen und zusammen die wahren Ursachen bekämpfen. So werden bewusst Erwerbslose gegen Lohnabhängige und deutsche Leistungsempfänger*innen gegen Geflüchtete ausgespielt. 
Im Kontext des Bürgergelds wird oft das Argument genutzt, Arbeit würde sich dadurch nicht mehr lohnen und es wäre unfair gegenüber Menschen mit geringem Lohn. Allerdings ist das nur ein Scheinargument. Zum einen haben Menschen, deren Einkommen unter der errechnete Bedarfsgrenze liegt, Anspruch auf aufstockende Leistungen. Zum anderen machen Aufstocker*innen tatsächlich einen großen Teil der Bürgergeldbezieher*innen aus, da es eine Menge Arbeitsplätze gibt, in denen Menschen noch nicht einmal das Existenzminimum verdienen. Und das ist der Skandal! Wir wollen, dass Menschen in Arbeit gut von ihrem Einkommen leben können, aber dann muss die Forderung sein: Mehr Lohn für alle und nicht weniger Bürgergeld.
Das zeigt auch: Die Diskussionen um das Bürgergeld sind nicht nur Betrug an den Leistungsempfänger*innen, sondern auch Betrug an Lohnabhängigen. So wird die Diskussion um zu geringe Löhne einfach umgangen. Ein niedriges Bürgergeld ermöglicht auch, die Löhne niedrig zu halten. Statt über angemessene Löhne für alle Lohnabhängigen zu sprechen, zielt der Haushaltsplan der Ampel auf das Gegenteil ab: Den Niedriglohnsektor weiter ausbauen und damit mehr Armut für alle! 
Der so konstruierte Sozialneid schürt Hass, verbreitet Unsicherheit und ermöglicht die Konstruktion von Sündenböcken. Eine Absicherung, dass nur nach unten und nicht nach oben getreten wird, wodurch sich Herrschaft, Macht und Kapital bewahren lassen. Statt sich zu fragen, warum problemlos 100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr möglich ist, warum vermögende Politiker*innen neben einem mehr als ausreichenden Gehalt noch Lobbyeinnahmen verzeichenen, warum Vorstände sich millionenschwere Boni auszahlen können, warum es immer mehr Multimilliardär*innen gibt, während gleichzeitig immer mehr Menschen in Armut leben, wird Bürgergeld zum Problem erklärt. Dies wird so lange wiederholt und durch Falschaussagen gefüttert, bis Bürger*innen diese Meinung übernehmen und auf die Hetze reinfallen. So werden 100% Sanktionierungen als effektive Sparmaßnahme verkauft und keiner spricht mehr über milliardenschwere Vermögen, ausbeuterische Lohnverhältnisse und all die Probleme, die aus dem Kapitalismus resultieren und durch rechte Politik weiter verschärft werden.
Rechtes Wording von Politiker*innen und rechte Sozialpolitik, ermöglicht der AfD eine Normalisierung ihrer menschenverachtenden Politik. So fordern sowohl die AfD als auch Politiker*innen der FDP und CDU Menschen, die Bürgergeld beziehen, zur Zwangsarbeit einzuspannen, es wird nur unterschiedlich offen menschenverachtend formuliert. 
Die rechte Sozialpolitik anderer Parteien hat den Mythos wachsen lassen, die AfD wäre die Partei der „kleinen“ Leute und würde sich für die von der Politik vergessenen Menschen einsetzen (wenn diese ihnen deutsch genug sind). Die AfD vertritt aber das Gegenteil und verfolgt eine extrem neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik. Sie macht ganz klar Politik für reiche Deutsche und gegen Arme. Fakt ist: Rechte Politik verbessert nichts an Armutsverhältnissen, sie verschlimmert sie und weitet sie auf mehr Menschen aus. Und Armut bedeutet mehr als nur keine finanziellen Mittel zu haben, es bedeutet ein höheres Risiko krank zu werden, weniger Beteiligungsmöglichkeit an politischen, gesellschaftlichen und sozialen Prozessen, es bedeutet in einer Welt, an der an allen Ecken Konsumzwang herrscht und immer mehr öffentliche Räume privatisiert werden: Exklusion.
Rechte  Politik heißt Armut für Alle!
Wir wissen: Die aktuelle Politik – und das Programm der Rechten umso mehr – setzt nicht an den Ursachen vorhandener Probleme an, sondern konstruiert und bekämpft „Sündenböcke“. Höchste Zeit für eine kraftvolle Bewegung, die von Unten kollektiven Widerspruch organisiert! Lasst uns gemeinsam eine Bewegung bilden, die aktiv um diejenigen Mitmenschen kämpft, die glauben, die Sache ließe sich aussitzen oder hätte keinen Einfluss auf unser alltägliches Leben. Eine Bewegung, die sich einsetzt für diejenigen, die schon jetzt unter der aktuellen Politik zu den „Verlierer*innen“ gehören. Eine Bewegung, die sich nicht scheut, alle Akteure der Rechtsentwicklung zu benennen und ihnen nach Kräften den Spielraum zu nehmen.
Gemeinsam in Aktion!
Am 24.02. die Rechte Welle brechen!
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Ein gutes Leben für alle erkämpfen – gerade in düsteren Zeiten

Die jetzigen Verhältnisse machen ein gutes Leben für den Großteil der Bevölkerung immer unwahrscheinlicher: Kriege und Aufrüstung stehen auf der Tagesordnung, soziale Errungenschaften werden eingeschränkt oder ganz zurückgenommen, es gibt eine anhaltend hohe Arbeitsbelastung verbunden mit einem der größten Niedriglohnsektoren Europas. Alle, die nicht in das Muster passen und sich nicht der Profitmaxime unterwerfen, werden sanktioniert und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Damit einher geht das Erstarken von rechten und faschistischen Bewegungen. Düstere Zeiten…

Raul Zelik geht in der Veranstaltung den Zusammenhängen dieser Entwicklungen nach, fragt, wie diese sich stoppen lassen, und woher die Macht für die notwendigen Veränderungen kommen könnten, damit ein gutes Leben für alle möglich wird. Denn die vielfältige Krise erfordert einen umfassenden emanzipatorischen Gegenentwurfs. Zelik skizziert, wie dies gelingen kann, worin ein fortschrittliches Projekt bestehen muss und woher die gesellschaftliche Macht kommen kann, um eine derartige Transformation umzusetzen.

Freitag, 27.03.2024, 19 Uhr
Trott.war
Falkertstraße 56, 70176 Stuttgart
(U- & Bus-Haltestelle Rosenberg-/Seidenstraße)

Raul Zelik (Jahrgang 1968) ist Politikwissenschaftler, Journalist und Schriftsteller und Übersetzer. Er veröffentlichte u.a. die Romane «Berliner Verhältnisse» (2005) und «Der Eindringling» (2012). Sein letztes Buch erschien 2020 im Suhrkampf Verlag: Wir Untoten des Kapitals – Über politische Monster und grünen Sozialismus. Seit vielen Jahrzehnten in sozialen Bewegungen aktiv forscht er vor allem über politische Konflikte im spanischsprachigen Raum.

Eine Veranstaltung der Initiative für ein Sozialforum in Stuttgart (ehemals Genug ist Genug) in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung Baden-Württemberg

 

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Offenes Treffen im Januar 2024

Kommt zu unserem offenen Treffen am 29.01.2024 um 19 Uhr ins Stadtteilzentrum Gasparitsch! Wir freuen uns auf euch!

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Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit!

In Karlsruhe werden seit April 2023 drei Sozialarbeiter*innen des Fanprojektes durch die Staatsanwaltschaft drangsaliert: Sie wurden vorgeladen und müssen nun mutmaßlich gegen ihre Klient*innen, also Fußballfans des Karlsruher SC, aussagen und diese belasten. Die Begründung: Pyrotechnik im Stadion. Die Auswirkungen auf die Arbeit der Sozialarbeiter*innen: Fatal. Jeglicher Versuch einer vertrauensvollen Beziehung, also die Arbeitsgrundlage nahezu jeder sozialen Arbeit wird dadurch zerstört. Adressat*innen der Sozialen Arbeit können nie sicher sein, ob ihr*e Sozialarbeiter*in wegen Nichtigkeiten durch die Institutionen des Staates vorgeladen werden. Der Staat zerstört mit diesem repressiven Vorgehen die Arbeitsgrundlage von Sozialarbeiter*innen!

Solidarität mit den betroffenen Kolleg*innen in Karlsruhe!

Ein Zeugnisverweigerungsrecht stellt dabei eine gesetzliche Grundlage dar, auf Basis derer bestimmte Berufsgruppen ihre Aussage bei strafrechtlichen Vorladungen verweigern dürfen – bekanntestes Beispiel sind wohl Ärzt*innen. Ebenso wird dieses Recht beispielsweise Rechtsanwält*innen, Steuerberater*innen, Apotheker*innen oder Psychotherapeut*innen gewährt. Ebenso wird Sozialarbeiter*innen in wenigen Funktionen das Recht gewährt, dies betrifft Sucht- oder Schwangerschaftsberatungskontexte. Ein generelles Zeugnisverweigerungsrecht für Sozialarbeiter*innen existiert in Deutschland nicht! Zugrunde liegt dabei ein Urteil von 1973, in dem die Soziale Arbeit als Berufsgruppe ohne Berufsethos eingeordnet wird. Eine sehr fragwürdige Argumentation in Zeiten, in denen sich Soziale Arbeit über einen Berufsethos definiert. Dies führt dazu, dass Sozialarbeiter*innen regelmäßig, oftmals wegen Nichtigkeiten, der Repression ausgesetzt sind und die Soziale Arbeit an sich darunter leidet.

Als Gruppe die sich maßgeblich aus dem sozialen Bereich rekrutiert schließen wir uns daher an: Wir fordern ein Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit!

Weitere Infos findet ihr beim Bündnis für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit, unter anderem beim DBSH!

Soziale Arbeit muss immer auch als das begriffen werden, was diese im kapitalistischen System darstellt: eine Institution, die sowohl Ordnungs- als auch Normgebend ist. Ebenso agiert sie bei der Gewinnung beziehungsweise der Aufrechterhaltung von Arbeitskraft. Die soziale Arbeit stabilisiert also das System.

Prekäre Verhältnisse sind das große Arbeitsgebiet der Sozialen Arbeit – viele Probleme, die Menschen zu Adressat*innen der Sozialen Arbeit machen, lassen sich direkt oder indirekt auf die Verhältnisse, in denen die Menschen leben, zurückführen. Nun sind prekäre Verhältnisse in ihrer Entstehung untrennbar von den gesellschaftlichen Bedingungen, in denen sie sich befinden anhängig – die Soziale Arbeit hilft also einerseits den Menschen, während sie gleichzeitig die prekären Verhältnisse stützt!

Ein Zeugnisverweigerungsrecht muss für eine bessere Soziale Arbeit erkämpft werden. Um die Probleme an der Wurzel anzugehen, muss jedoch mehr passieren: Kapitalistische Systeme sind immer mit prekären Klassengesellschaften verbunden. Zeugnisverweigerungsrecht ist also nicht das Ziel, sondern erst der Anfang: Für eine revolutionäre Soziale Arbeit und einen Bruch mit dem Kapitalismus!