Wir stehen an der Seite aller Betroffener von patriarchaler Gewalt und Unterdrückung. Wir verstehen Geschlecht, Sexualität und Körper nicht ausschließlich als Identitätsfragen, sondern als gesellschaftlich organisierte Machtverhältnisse, die in unmittelbarer Abhängigkeit vom kapitalistischen System stehen – und von diesem sowohl legitimiert werden, als ihm auch nützen. Ein Beispiel hierfür ist, dass die für den Kapitalismus notwendige Reproduktions- oder auch Care Arbeit meist unbezahlt von weiblich sozialisierten Personen verrichtet wird.Wir positionieren uns klar gegen eine restriktive Auseinandersetzung mit Geschlecht, die durch eine binäre Geschlechterordnung geprägt ist.Wir sehen das Abschaffen normativer Auffassungen von Geschlechtsidentitäten, die Entkopplung von Körper und Identität und damit auch von Geschlecht und Sexualität als essenziell an. Daher stellen wir uns auch gegen Normierungen wie Heteronormativität*. Durch diese werden patriarchale und kapitalistische Unterdrückungsverhältnisse, sowie Gewalt, Ausschluss und Ausbeutung gefördert und legitimiert.Queere Kämpfe zielen für uns nicht nur auf Sichtbarkeit und Anerkennung, sondern auf eine radikale Kritik an Normierungsmechanismen und Herrschafts- und Machtverhältnissenab. Feministischer Kampf und Klassenkampf sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Wir nutzen eine intersektionale Perspektive, um auf verschiedene Unterdrückungsmechanismen zu blicken und besonders jene Personengruppen, die beispielsweise sowohl von Sexismus, Rassismus als auch Klassismus betroffen sind, in unsere Kämpfe einzuschließen.
* Heteronormativität ist ein gesellschaftliches Wertesystem, das Heterosexualität als einzig „natürliche“Norm darstellt und eine strikte Zweigeschlechtlichkeit (Mann/Frau) voraussetzt. Es privilegiert heterosexuelle Paarbeziehungen und diskriminiert andere sexuelle Orientierungen sowie geschlechtliche Identitäten (vgl. FES)
Wir setzen uns für alle Menschen ein, die von patriarchaler Gewalt und Unterdrückung betroffen sind.„Patriarchal“ beschreibt eine Gesellschaft, in der Männer mehr Macht haben als andere Geschlechter. Wir verstehen Geschlecht, Sexualität und (den) Körper nicht nur als persönliche Identität, sondern auch als Teil von gesellschaftlichen Machtverhältnissen. Diese bestimmen,wer in der Gesellschaft Macht hat und wer unterdrückt wird und hängen eng mit dem Kapitalismus zusammen. Das ist eine Wirtschaftsordnung, in der Gewinn und wirtschaftlicher Erfolg im Mittelpunkt stehen. Der Kapitalismus produziert solche Ungleichheiten und profitiert davon. Zum Beispiel wird sogenannte Reproduktions- oder Carearbeit (Kindererziehung, Pflege von Familienmitgliedern, Hausarbeit etc.) meistens von Menschen geleistet, die weiblich sozialisiert* wurden. Diese Arbeit ist notwendig für das Funktionieren der Gesellschaft, wird aber nicht bezahlt und als selbstverständlich abgewertet.Wir sprechen uns klar gegen eine eingeschränkte Sicht auf Geschlecht aus, die nur zwei Geschlechter („Mann“ und „Frau“) kennt. Diese Einteilung (binäre Geschlechterordnung) schließt viele Menschen aus. Wir wollen die gesellschaftlichen Erwartungen, die mit dieser Einteilung einhergehen, aufbrechen und Körper, Geschlechtsidentität und Erwartungen an Verhalten und Aussehen trennen. Dazu gehört auch das Aufbrechen von Heteronormativität. Damit ist ein gesellschaftliches Wertesystem gemeint, welches vorgibt was „normal“ und „richtig“ ist.
Dabei wird Zweigeschlechtigkeit (Mann/Frau) vorausgesetzt und Heterosexualität als das einzig „natürliche“ gesehen. Andere Geschlechtsidentiäten, Sexualitäten und Beziehungsmodelle werden aberkannt, benachteiligt und abgewertet. Das trägt dazu bei, dass patriarchale und kapitalistische Machtverhältnisse bestehen bleiben. Sie fördern Ausgrenzung, Gewalt und Ausbeutung.Für uns gehen queere** Kämpfe über reine Sichtbarkeit und Anerkennung hinaus. Sie richten sich gegen die Regeln und Normen, die festlegen, was als „normal“ gilt und gegen die Herrschafts- und Machtverhältnisse wie Kapitalismus und Patriarchat, die dahinterstehen.Der feministische Kampf kann nicht vom Kampf gegen das kapitalistische System getrennt werden. Es braucht die Überwindung des Kapitalismus und des Patriarchats, für ein freies und selbstbestimmtes Leben.Wir nutzen eine intersektionale Perspektive.Diese versucht die Überschneidungen und das Zusammenwirken verschiedener Machtverhältnisse zu beachten. Mehrere Diskriminierungsformen lassen sich nicht einfach addieren, sondern bilden aufgrund der Überschneidungen eine neue Dimension.Zum Beispiel erleben obdachlose Frauen sowohl klassistische und sexistische Diskriminierung als auch zusätzlich die Folgen des Zusammenwirkens dieser Diskriminierungsformen. Als obdachlose Frauen erleben sie also andere Abwertung als gut situierte Frauen oder obdachlose Männer.
* Menschen, denen das Geschlecht „Mädchen/Frau“ in ihrer Entwicklung von außen zugeschrieben wurde und diedementsprechenden Rollenbildern, Werten und Erwartungen ausgesetzt waren.
** Queer ist ein Sammelbegriff für Personen, deren Sexualität und/oder Geschlechtsidentität von der gesellschaftlich vorgegebenen Norm (z.B. Mann und Frau lieben sich gegenseitig) abweichen.“Queer“wurde zu Beginn der 1990er Jahre von Aktivist*innen neu besetzt. Ursprünglich kam dieser aus dem englischen Sprachraum und wurde als Beleidigung verwendet um Menschen, die den heteronormativenNormen nicht entsprachen, als seltsam und befremdlich zu beleidigen. Lesben, Schwule und trans* Personen begannen diesen Begriff auf rebellische Weise neu zu besetzen. Aktivist*innen nutzten den Begriff bewusst bei Demonstrationen und Veröffentlichungen und sorgten so dafür, dass der Begriff “queer” sich verbreitete,Einzug in die Wissenschaft und Theoriebildung erhielt und so seine beleidigende Bedeutung verlor.

