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Bürgergeld Mythen

5. „Bürgergeld kostet den Staat und die Steuerzahler*innen unverhältnismäßig viel.“

FALSCH! Häufig werden in der Debatte verschiedenste Zahlen genannt und Dinge durcheinander gebracht. Mal wird von 20, mal von 50 Milliarden an jährlichen Kosten gesprochen. Es ist auch nicht ganz einfach, denn während der Regelsatz vom Bund gezahlt wird, werden die Wohnkosten größtenteils von den Bundesländern gezahlt.

In Zahlen: 2024 wurden 45 Milliarden des Bundeshaushalts für Bürgergeld eingeplant, für Verteidigungskosten im Vergleich 72 Milliarden (vgl. Bundesministerium der Verteidigung 2024)

Von den 45 Milliarden, gehen nur ca. 23 Milliarden als Auszahlungsbeträge an die Bezieher*innen. 10 Milliarden werden für die Kosten der Unterkunft (Miete & Heizkosten) aufgewandt, also gehen diese letztendlich vor allem an Immobilien- und Energiekonzerne. Da auch Bürgergeldbeziehende Mehrwertsteuer zahlen, fließen übrigens ca. 1/5 des ausgezahlten Bürgergelds zurück in die Staatskasse (vgl. STEINHAUS/CORNELSEN 2023, S.62).

Der Bürgergeldbezug führt bereits jetzt zwangsläufig zu einem Leben in Armut. Am Existenzminimum einzusparen ist nicht nur unmenschlich, es ist auch unlogisch. Warum von Armen das Letzte nehmen, wenn Andere auf einem Milliardenvermögen sitzen.

Seit Aussetzung der Vermögenssteuer (1996) sind dadurch 380 Milliarden Euro verloren (oder für Superreiche gewonnen) gegangen. Übrigens: In Deutschland leben über 130 Milliardär*innen und über 1,6 Millionen Millionär*innen, während die ärmere HÄLFTE der Bevölkerung in Deutschland gerade einmal 1,3% des Gesamtvermögens besitzt (vgl. ZEPPERITZ, Volker 2024)

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Bürgergeld Mythen

6. „Strenge Sanktionen sind notwendig, um die Arbeitsmotivation zu erhöhen.“

FALSCH! Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Sanktionen zu mehr Motivation oder Arbeitsvermittlungen führen, im Gegenteil. Eine Studie von sanktionsfrei e.V. zeigte, dass die Sanktionen vor allem zu psychischen Belastungen, Ängsten und Druck führen, aber weder motivierend noch „abschreckend“ wirken (vgl. Sanktionsfrei e.V. 2022).

Worüber sprechen wir bei Sanktionen eigentlich? Letztendlich sind es Geldkürzungen, die verhängt werden, wenn gegen die „Mitwirkungspflichten verstoßen wird.

“Meldeversäumnis”: Termin verpasst -> 30% Kürzung für einen Monat

„Pflichtverletzung“: Ablehnung oder Abbruch eines Jobs oder Maßnahme -> 30% Kürzung für 3 Monate (vgl. SÜDKURIER 2025)

70% aller Sanktionen werden aufgrund von Terminversäumnissen verhängt (vgl. STEINHAUS/CORNELSEN 2023, S 160). Schon ein verpasster Termin kann dazu führen, dass man UNTER dem Existenzminimum leben muss. Und da sind wir schon beim Kern des Problems: Wenn etwas als Existenzminimum zählt, darf dies nicht gekürzt werden, denn Menschen unterhalb des Existenzminimums (und ihre Kinder, Angehörigen, Partner*innen etc. gleich mit) zu zwingen, ist menschenunwürdig! Dazu kommt, dass ein Großteil der verhängten Sanktionen rechtswidrig sind, allerdings sind Wissen, Zeit und Kapazitäten nötig, um dagegen angehen zu können (vgl. ebd., S.206).

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Bürgergeld Mythen

Quellen:

BUNDESMINISTERIUM DER VERTEIDIGUNG: 2024: Verteidigungshaushalt 2024, https://www.bmvg.de/de/themen/verteidigungshaushalt)

Landeshauptstadt Stuttgart 2024: Geldleistungen, https://www.stuttgart.de/leben/arbeit/geldleistungen.php

Sanktionsfrei e.V. 2022: HARTZ PLUS: EINE STUDIE ÜBER DIE AUSWIRKUNGEN VON HARTZ-IVSANKTIONEN, file:///C:/Users/User/Downloads/policy_paper_hartzplus.pdf

Servicestelle SGB II 2023: Fragen und Antworten zum Bürgergeld, https://tinyurl.com/29ja5x98, 20.01.2025

STEINHAUS, Helena/CORNELSEN, Claudia 2023: Es braucht nicht viel. Wie wir unseren Sozialstaat demokratisch, fair & armutsfest machen.

SÜDKURIER 2025: Bürgergeld-Sanktionen 2025: Wann drohen Leistungsminderungen? https://www.suedkurier.de/ueberregional/wirtschaft/geld-finanzen/buergergeld-sanktionen-2025-wann-drohen-leistungsminderungen-7-1-25;art1373668,12272953, 20.01.2025

ZEPPERITZ, Volker 2024: https://www.mein-grundeinkommen.de/magazin/vermoegen-ist-privatsache-von-wegen?gad_source=1&gc, 20.01.2025

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Bürgergeld General Sozialkampf

Bürgergeld sichert Armut und Exklusion statt Existenz

Bereits mit der Agenda 2010 sollte vor über 20 Jahren das deutsche Sozialsystem „reformiert“ werden. Damals legte das Bundesverfassungsgericht fest, dass jede*r Hilfsbedürftige ein Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum habe. Das Ergebnis war die Einführung von Hartz IV, was viele Menschen jedoch in die Armut drängte und ihnen ihre Zukunftsperspektiven nahm.

2022 sollte es dann erneut eine Reform geben. Wieder wurde sie als bedeutende Veränderung beworben und als „die größte“ (Die Grünen) und „wichtigste“ (FDP) Sozialreform bezeichnet. Besonders die SPD wollte Hartz IV endlich „überwinden“. Dabei ging es nicht um die Überwindung einer stigmatisierenden und armutsfestigenden Praxis, sondern vielmehr um ein symbolisches Überwinden. Dafür reichte letztendlich wohl ein neuer Name: Bürgergeld.

Viel Veränderung brachte der neue Gesetzentwurf in der Realität nicht. Ganz im Gegenteil: Die zentralen Punkte, wie Höhe und Umfang der Leistungen, das bürokratische Antragsverfahren, sogenannte Mitwirkungspflichten und die Sanktionspraxis wurden kaum geändert.

Bereits zu Hartz-IV Zeiten wurde die Bemessungspraxis der Regelsätze, die sich an den Ausgaben der untersten Einkommensgruppe und somit Menschen, die bereits in Armut lebten, orientierte, vom Bundesverfassungsgericht als teilweise verfassungswidrig eingestuft. Bis heute hat sich diese Berechnungsmethode kaum verändert. In der Referenzgruppe, die als Berechnungsgrundlage für die Regelsätze dient, befinden sich unter anderem Menschen, die ein Recht auf aufstockende Leistungen hätten. Obwohl sie unter dem gesetzlichen Existenzminimum leben, können sie dieses Recht aufgrund von Unwissenheit oder bürokratischen Hürden nicht in Anspruch nehmen.

Die Regelsätze stiegen mit Einführung des Bürgergelds bei Alleinlebenden zwar um 53€ an und wurden als Erhöhung verkauft, aber eine tatsächliche finanzielle Verbesserung ergibt sich daraus mit Blick auf Inflation und immer weiter steigenden Lebenserhaltungskosten nicht. Denn diese Erhöhung war in der Realität eine verspätete Anpassung an die explodierenden Kosten nach Beginn des Kriegs in der Ukraine. Während im Juli 2022 der Grundfreibetrag an den neuen Höchstwert der Inflationsrate seit 1974 angepasst wurde, wurden die Hartz-IV Regelsätze einfach weiterhin um mickrige 3€ erhöht. Die Regelsatzerhöhung um 53€ war also nach Bundesverfassungsgericht eine gesetzliche Pflicht und diese konnte mit Einführung des Bürgergelds von der Ampelregierung schlichtweg nicht mehr ignoriert werden.

Statt sich an gesetzliche Pflichten zu halten und dafür zu sorgen, dass das Bürgergeld eine tatsächliche Existenzsicherung darstellt und betroffene Menschen nicht in Armut und somit Exklusion gedrängt werden, hetzen Politiker*innen immer wieder gegen Bürgergeldbeziehende.

Diese Hetze und das ständige Infragestellen des Existenzminimums ermöglichen einigen Wenigen Profit, da der Niedriglohnsektor so weiter ausgebaut werden kann, die neoliberale Ideologie weiter verbreitet und das kapitalistische System stabilisiert wird. Denn letztendlich dienen Sozialleistungen wie das Bürgergeld nur zur Linderung der durch den Kapitalismus entstehenden prekären Lebenslagen und niemals zur Behebung der Ursachen. Die eigentliche Kritik gilt also einem System, das Menschen nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit unterteilt und den Reichtum einiger Weniger durch die Armut vieler anderer erst ermöglicht. Zudem dient es den Profiteuren der kapitalistischen Politik Menschen in prekären Lebenslagen gegeneinander auszuspielen.

Statt sich zu fragen, warum vermögende Politiker*innen neben einem mehr als ausreichenden Gehalt noch Lobbyeinnahmen verzeichnen, warum Vorstände sich millionenschwere Boni auszahlen können, warum es immer mehr Multimilliardär*innen gibt, während gleichzeitig immer mehr Menschen in Armut leben, werden Sozialleistungen wie das Bürgergeld oder auch Asylbewerberleistungen zum Problem erklärt. So werden beispielsweise 100% Sanktionierungen von Bürgergeldempfänger*innen, also die komplette Aussetzung des Bürgergelds, als effektive Sparmaßnahme verkauft und keine*r spricht mehr über milliardenschwere Vermögen, ausbeuterische Lohnverhältnisse und all die Probleme, die aus dem Kapitalismus resultieren.

Das heißt für uns: Auch wenn wir uns für höhere Regelsätze, einen Abbau der bürokratischen Hürden und gegen Sanktionen einsetzen, wollen wir zeitgleich darstellen, dass das ursprüngliche Problem Armut ist, die im Kapitalismus notwendig für dessen Erhaltung ist.

Gerade in Zeiten der Krise und des Rechtsrucks ist es wichtig, auf Missstände wie steigende Armut und immer prekärer werdende Lebenslagen aufmerksam zu machen, sie nicht als naturgegeben zu betrachten und neoliberale Narrative aufzudecken und zu kritisieren. Denn Armut bedeutet mehr als nur keine finanziellen Mittel zu haben, es bedeutet ein höheres Risiko krank zu werden, weniger Beteiligungsmöglichkeit an politischen, gesellschaftlichen und sozialen Prozessen. Armut bedeutet in einer Welt, an der an allen Ecken Konsumzwang herrscht und immer mehr öffentliche Räume privatisiert werden vor allem eins: Exklusion. Dieser Exklusion wird durch das Bürgergeld keineswegs entgegengewirkt. Im Gegenteil: Die Ampelkoalition hat es durch ihre „größte und wichtigste Sozialreform“ geschafft, Armut und die daraus entstehende Exklusion weiter zu verfestigen.

Leider bedeutet das Scheitern der Ampelkoalition kein Ende dieser menschenfeindlichen Politik. Das (Wieder-)Erstarken konservativer und rechter Parteien wie CDU und AfD bringt dieselben neoliberalen Narrative mit sich, die sich an der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Menschen orientieren. Es ist also davon auszugehen, dass Menschen in und am Rande der Armut immer weiter in prekäre Lebenslagen gedrängt, die Unterstützungen in diesen Lebenslagen gekürzt und die Zugänge erschwert werden.

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General Sozialkampf

Vortrag: Solidarische Gesundheitszentren international – Sonntag, 16.02.2025 17 Uhr

Achtung, neuer Link:

https://meet.jit.si/PoliklinikVortrag-SolidarischeGesundheitszentrenInternatiol

Online-Link: https://teams.microsoft.com/l/meetup-join/19%3ameeting_YTNjYjlmMWUtOTI4Zi00Yzg1LWIzYTMtMGQwYjcwYzIxZmIz%40thread.v2/0?context=%7b%22Tid%22%3a%22ea773cb9-9c3a-4fcb-80fb-26ea82880d12%22%2c%22Oid%22%3a%22567f38dc-f702-4d16-89cf-1905317b2186%22%7d

Die Idee interprofessioneller Gesundheitszentren, die gemeinwesenorientiert und gesundheitsförderlich arbeiten ist die Deutschland vergleichsweise jung. Es existieren momentan nur eine Handvoll Pilotprojekte. Der Fokus liegt dabei auf Gesundheitsförderung und den sozialen Determinanten von Gesundheit. Ziel ist es zu einer Reduktion gesundheitlicher Ungleichheiten beizutragen – einen letztlich politischer Ansatz. Gleichzeitig haben sich weltweit ähnliche Ansätze entwickelt. Im Rahmen des Vortrags soll der Blick ins europäische Umland gehen, u.a. nach Frankreich, Italien und Griechenland, wobei ein Vergleich mit dem Ansatz und den Strukturen vor Ort erfolgen soll.

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General

Offenes Treffen 27.01.2025

Du willst mehr über uns und unsere Arbeit erfahren? Du bist auf der Suche nach einer politischen Gruppe und willst erstmal unverbindlich reinschauen? Dann komm am Montag, den 27.01. um 18.30 Uhr zu unserem offenen treffen ins Stadtteilzentrum Gasparitsch! Wir freuen uns auf dich!

Häufig sind bei unseren Treffen Hunde dabei, sollte das ein problem für dich sein oder du möchtest deinen eigenen Hund mitbringen, schreib uns einfach kurz, damit wir uns absprechen können.

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General

Vortragsreihe Poliklinik Syndikat

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General

Vortrag: Soziale Determinanten von Gesundheit – Gesundheit ist eine soziale Frage – Montag 16.12., 19 Uhr

Der Unterschied in der durchschnittlichen Lebenserwartung der Menschen beträgt in Deutschland zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommenskategorie mehr als 10 Jahre. Dies kann nicht allein damit erklärt werden, dass in benachteiligten Vierteln die Ärzt*innendichte geringer ist oder Menschen sich „ungesund verhalten“. Vielmehr finden diese gesundheitlichen Ungleichheiten laut WHO ihre Ursache in der Gesellschaft, den “sozialen Determinanten von Gesundheit“. Was diese sozialen Determinaten sind, wie sie auch uns und die Gesundheitsversorgung beeinflussen, soll in dieser Veranstaltung Thema sein.

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EM 2024 General Sozialkampf

Vortrag: Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus

Wohnungs- und Obdachlose werden von der Gesellschaft
ausgegrenzt und auf der Straße angegriffen. Die
Täter*innen praktizieren dabei gegen obdachlose Menschen einen Sozialdarwinismus der Tat, der durch ein Weltbild vorbereitet wird, welches weit verbreitet ist. Was Sozialdarwinismus ist, wie dieser mit Hass und Feindlichkeit gegenüber wohnungslosen Menschen zusammenhängt und welche Rolle dies in den deutschen Zuständen spielt, wird in diesem Vortrag erklärt.
Lucius Teidelbaum ist freier Journalist, Publizist und
Rechercheur zum Thema extreme Rechte und anliegende
Grauzonen. Von ihm erschien 2013 im Unrast-Verlag das
Buch „Obdachlosenhass und Sozialdarwinismus“.
Da Obdachlosigkeit eine der extremsten Formen der Armut in Deutschland darstellt und immer noch gesellschaftlich mit individuellem Versagen verknüpft wird, braucht es mehr Aufklärung über die Zusammenhänge neoliberaler, rechter und sozialdarwinistischer Rhetorik und der Abwertung und Ausgrenzung
wohnungsloser Menschen. Dass Menschen gezwungen sind
auf der Straße oder in Notunterkünften zu schlafen, ist ein
nicht hinnehmbarer Zustand. Wir müssen ALLE Menschen
in unsere Kämpfe einschließen, denn solange es Wohnungslosigkeit gibt, kann es kein gutes Leben für alle geben!

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General Sozialkampf

Tag der Wohnungslosen 2024

Verdrängung wohnungsloser Menschen aus dem öffentlichen Raum – Aktion zum Tag der Wohnungslosen

Der öffentliche Raum ist in unserem aktuellen System, dem Kapitalismus, ein Ort des Konsums und Profites. Neue schicke Läden, Begrünung nur für das Außenbild, unendlich teure Sanierungen von Bahnhöfen und und und… Für diese Dinge wird Geld in die Hand genommen, denn das Ziel ist es dadurch die Menschen in die Stadt zu locken und in der Stadt zu halten, die dort ihr Geld lassen.

Aus unserer Perspektive sollte der öffentliche Raum aber viel eher ein Ort für Begegnung, für Freizeit, für Austausch und eben für ALLE sein. Der öffentliche Raum ist also geprägt von widersprüchlichen Interessen und spiegelt somit sehr beispielhaft das kapitalistische System wider. Während einige wenige Menschen die Macht haben ihre Interessen durchzusetzen und nur für ihren eigenen Profit sorgen, werden die Interessen vieler anderer Menschen vernachlässigt.

Nun ist aber nicht nur die Gestaltung des öffentlichen Raums ein Ergebnis des kapitalistischen Systems und Wettbewerbs sondern auch die daraus entstehenden negativen Folgen, wie zum Beispiel Armut und Wohnungslosigkeit. Dabei liegt es aber nicht im Interesse der Kapitalist*innen, dass diese Folgen ihrer Politik öffentlich zu sehen sind. Im Gegenteil, es wird mit allen Mitteln versucht Menschen, die das Bild der glänzenden und gut zu verkaufenden Stadt stören, zu verdrängen.

Die Verdrängung wohnungsloser Menschen aus dem öffentlichen Raum findet durch verschiedene Maßnahmen statt. Einige davon müssen immer wieder als solche entlarvt werden, da sie für Nicht-wohnungslose Menschen häufig erst gar nicht als Verdrängungsmaßnahmen erkannt werden. Dazu zählt unteranderem defensive oder auch menschenfeindliche Architektur: Bänke, die in einzelne Sitze unterteilt oder so geformt sind, dass man darauf nicht liegen kann. Gitter und Stäbe, die so platziert sind, dass eigentlich freie Flächen blockiert sind. Der Instagramaccount @hostile_germany dokumentiert die verschiedenen Orte an denen insbesondere in Stuttgart aber auch in anderen deutschen Großstädten defensive Architektur zu erkennen ist. Darüber hinaus zählen auch Maßnahmen wie ständig laufende, laute, häufig klassische Musik, wie beispielsweise am Stuttgarter Hauptbahnhof, zu eben diesen Verdrängungsmaßnahmen. Oder auch verschiedene Verbote an öffentlichen Orten, die genau die Menschengruppen betreffen, die sich dort nicht aufhalten sollen. Also beispielsweise das Verbot von Alkoholkonsum oder das Bettelverbot. Damit einher gehen verstärkte Polizeipräsenz und -kontrollen, sowie vermehrte Einsätze von Sicherheitsdiensten, die die Geschäfte von Unternehmer*innen, Bahnhöfe und andere Orte des öffentlichen Raums vor unerwünschten Personengruppen „schützen“ sollen. Auch Maßnahmen wie kostenpflichtige Toiletten tragen zu einer beschränkten Nutzung des öffentlichen Raums für alle bei.

Die beschriebenen Verdrängungsmaßnahmen sind häufig eben dort zu finden, wo wohnungslose Menschen sich für gewöhnlich aufhalten: Bahnhöfe, Unterführungen, vor Geschäften, auf (eigentlich) freien Flächen etc. Das Ergebnis dessen ist, dass die Menschen sich neue Orte suchen müssen und unsichtbar gemacht werden. Die Politik der Kapitalist*innen sorgt also unteranderem durch immer teurer werdenden Wohnraum und durch die fortschreitende Privatisierung und Gentrifizierung dafür, dass Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit erst entstehen und zeitgleich versucht sie, durch die Verdrängung wohnungsloser Menschen genau das zu vertuschen.

Genau deshalb ist es wichtig, immer wieder durch beispielsweise Aktionen wie diese auf diesen Missstand aufmerksam zu machen: Heute am Tag der Wohnungslosen (11.9.) haben wir deshalb verschiedene Orte in Stuttgart markiert, an denen durch bauliche und weitere Maßnahmen wohnungslose Menschen verdrängt werden sollen.

Denn wir stehen für eine Gestaltung des öffentlichen Raums, die sich an gesellschaftlichen Interessen und somit an den Interessen aller Menschen orientiert. Wir stellen uns gegen eine Stadt als Schauplatz des Kapitalismus. Denn die Frage ist: Wem gehört die Stadt? Wir sagen: Die Stadt gehört uns ALLEN!